Mein Vater Arschloch, Held & Filmstar

Anerkennung.

Zuspruch.

Und väterliche Liebe.

Wenn ich mir meine täglichen E-Mails, persönliche Gespräche und Coachings anschaue, bemerke ich immer wieder einen allgemeinen Verdruss auf den eigenen Vater.

»Mein Vater war nie wirklich da.«

»Mein Vater hat mir nie gezeigt, was es bedeutet, ein Mann zu sein.«

»Mein Vater hat mich schlecht behandelt, nur getadelt oder gar geschlagen.«

»Mein Vater war ein Arschloch.«

»Mein Vater versteht mich nicht.«

»Mein Vater kommt immer nur mit Vorschriften und Ordnung. Selten bis nie habe ich Anerkennung, Freude oder väterliche Liebe gespürt.«

Eine Sache steht fest. Dein Vater war das erste Vorbild für deine eigene Männlichkeit.  Männer, die eine schwierige Beziehung zum Vater haben,

  • haben oft Schwierigkeiten beim Kennenlernen von Frauen,
  • beim Führen einer liebevollen Beziehung
  • oder haben mit sexuellen Problemen zu kämpfen.

Weiter leiden diese Männer vermehrt unter Disziplinlosigkeit, Suchtverhalten, geringen Selbstvertrauen oder depressiven Schüben.

Unser Vater prägt entscheidend unser Bild vom Mann sein. 1)Buch: Anleitung zum männlich sein

Söhne, die mit einem körperlich oder emotional abwesenden Vater aufwuchsen, leiden oft unter einer tiefen Verunsicherung, geringen Selbstbewusstsein und einer mangelnden männlichen Polarität.

Söhne, die von ihren Vater körperlich oder emotional misshandelt wurden (Schläge, Beschimpfungen, Beleidigungen, …), werden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit selbst zu Tätern. Oder sie ziehen sich aus dem Leben zurück und verbringen ihr Leben in Langeweile, emotionaler Kälte oder Depression.

Söhne, die einen Vater hatten, der keinen gesunden Kontakt zur eigenen Wut und Aggression hatte, leiden unter Suchtverhalten, Harmoniesucht und sind leicht von anderen beeinflussbar. Oder sie gehen in das andere Extrem und werden zu rücksichtslosen Machos.

In dem Moment, wo du deine Beziehung zu dem inneren Bild deines Vaters heilst, heilst du deine Männlichkeit.

Mein Vater – Das Arschloch

Ich habe schon vor 2 Jahren einen sehr persönlichen Artikel über meinen Vater geschrieben.

Was soll ich sagen. Er hat zu viel Trubel geführt. Es kam zu Diskussionen, Wortgefechten und mieser Stimmung.

Fremde haben mir geschrieben, was mir einfällt, so über meinen Vater herzuziehen.

Scheinbar erleuchtete Meditations-Ökos bescheinigten mir eine Verfangenheit in meinem kindlichen Ego.

Und meine Familie wollte, dass ich den Artikel wieder lösche.

Mein Vater war erstaunlicherweise einer derer, die mir Zuspruch gaben. Er fand den Artikel gut und auch die Aussagen, die hinter ihm stehen.

Wenn du diesen Artikel liest, wird er dir zuerst wie ein pubertäres dahingerotze der eigenen Wut vorkommen. Worte wie »Hass«, »Arschloch« und »Hurensohn« kommen darin vor. Aber wenn du genauer hinschaust, erkennst du die Brillanz eines wichtigen Prozesses der Mannwerdung!

  • Wir müssen gegen unseren Vater aufbegehren.
  • Wir müssen uns gegen seine Moralvorstellungen erheben.
  • Wir müssen unseren Vater hassen.

Wenn wir nie gegen unseren alten Herren aufbegehren, können wir nie wirklich über ihn hinauswachsen.

Deswegen ist einer der ersten Schritte vom Jungen zum Mann die Wut.

Es ist der Kampf gegen die väterliche Autorität. Es ist die Ablehnung der väterlichen Moralvorstellungen. Und es ist der übliche pubertäre Wahnsinn.

In dieser Zeit lernen die Jungen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Sie wollen raus in die Welt und Neues ausprobieren. Hausaufgaben, Müll runter bringen oder Verbote schränke diese Freiheit nur ein.

Natürlich ist die Schule wichtig. Natürlich darf sich jedes Familienmitglied an der Hausarbeit beteiligen. Und ja! Es gibt bestimmte Regeln, die eingehalten werden sollten.

 Eine dieser Regeln sollte aber sein: Du darfst deine Wut jederzeit frei äußern! 

Mein Vater wusste damals nichts von dieser Regel. Wenn ich als Junge wütend wurde, begegnete er meiner Wut mit Strafe oder (und das war bei weitem schlimmer) mit Auslachen.

Ich lernte, wie so viele Männer in dieser Gesellschaft, meine Wut zu unterdrücken und ganz tief in meinem Unterbewusstsein wegzuschließen. Gleichzeitig verschloss ich mich meiner Disziplin, meines Selbstvertrauens und meiner männlichen Polarität.

Die Wut ist niemals weg. Du kannst zum Verdrängungsmeister werden, du kannst kiloweise Zucker in deinen Körperkreislauf schaufeln oder deine Zähne ganz fest zusammenbeißen …

… aber die Wut wird dadurch nicht verschwinden.

Wenn du frei, verführerisch, durchsetzungsstark, charmant und männlich sein willst, dann lerne deine Wut kennen. Mach sie zu einem guten Freund.

Eigentlich ist es die Aufgabe des Vaters uns einen gesunden Umgang mit der eigenen Wut zu lehren. Es ist sein Job, uns zu zeigen, wie wir sie produktiv spüren, rauslassen und verarbeiten können.  Aber meistens haben unsere Väter das selbst nie gelernt.

Deswegen ist es an dir, deine Wut kennenzulernen. Lerne sie zu spüren. Lerne sie rauszulassen. Und lerne die Power, die dahinter steckt, zu nutzen.

Männer, die ihr Single-Sein nicht mehr akzeptieren, raus gehen und ihrer Angst vor Frauen begegnen, nutzen diese Power.

Männer, die Missstände in der Firma oder in der Beziehung offen und ehrlich ansprechen, nutzen diese Power.

Männer, die ganz allgemein erfolgreich sind, nutzen diese Power.

Also leg los!

Die Wurzel deiner Wut, steckt bei fast 80 Prozent der Männer in einer belasteten Beziehung zu ihrem eigenen Vater. Packe diese Wurzel. Spüre deine Wut auf ihn. Und lasse sie dadurch gehen.

Methoden & Techniken findest du in diesen Blogartikeln:

Mein Vater – Der Held

Es ist wichtig seine Wut zu spüren. Es ist wichtig in voller Rage aufzugehen und dem eigenen Vater alles vorzuwerfen, was er sich an Fehlern geleistet hat.

In dieser Phase ist bewusst kein Platz für Milde. Viele von uns tendieren dazu, die Dinge zu verharmlosen, die uns in der Kindheit passiert sind.

»Ach, so schlimm war das auch nicht.«

Und wahrscheinlich haben sie recht. Doch wenn die kindliche Wut nicht vollkommen gelebt wird, kann auch die bedingungslose Liebe nicht gelebt werden.

Sie bleibt vergiftet und belastet. Und solange diese Wut noch immer da ist, und sei es auch nur unspürbar minimal, wird es schwer, eine herzliche Männlichkeit aufzubauen.

Deswegen: Gehe zuerst in die Wut.

Und danach: Gehe in die Liebe.

So gnadenlos, wie ich meinen Vater verurteilen kann, so gnadenlos liebe ich ihn.

Mein Vater war nicht der Tyrann, als den ich ihn früher in meiner kindlichen Erinnerung festgehalten habe. Er war ein starker Mann, der mir viele Weisheiten über das Leben beibrachte.

Er lehrte mich, mich in der Natur zu orientieren und immer meinen Weg im Leben zu finden.

Er zeigte mir, dass ich in der Dunkelheit im Wald keine Angst haben brauche.

Er war ein vorbildlicher Unternehmer, der mir vorlebte, dass man Großes im Leben erreichen kann.

Und er war ein herzlicher Papa, der mich als kleinen 5 jährigen Knirps auf seinen Schoß nahm und das Auto durch den Wald steuern ließ.

Mann! Habe ich gelacht und mich gefreut, das Auto ganz wie ein Erwachsener zu steuern.

Heute sind meine Gedanken von meinem Vater mit Liebe, Herzlichkeit und Wohlwollen erfüllt.

Ich denke an die Geschenke, die mir mein Vater gemacht hat. Ich denke an all die guten Fähigkeiten, die ich durch sein Vorbild erlernt habe. Und ich danke ihn auch für all die Momente, wo er mir ein schlechtes Vorbild war. Denn so habe ich gelernt, es selber besser zu machen.

Ehre deinen Vater. Ehre sein Vorbild und das was du durch ihn gelernt hast. Und ehre seine Fehler.

Stelle vielleicht ein Bild deines Vaters in deiner Wohnung auf und lege dir eines in dein Portmonee.

Diese Ehre deinem alten Herren gegenüber lässt in dir ein Feuer der Männlichkeit und des Selbstvertrauens entfachen, stärker den jede andere »Technik« oder »Methode«, die ich dir geben kann.

Mein Vater – Der Filmstar

Du kannst es drehen oder wenden, wie du willst. Die Beziehung zu deinem eigenen Vater ist ein Sinnbild deiner inneren Beziehung zu deiner eigenen Männlichkeit.

Bringst du deinem Vater nur Kälte und Gefühlslosigkeit entgegen, bist du meistens auch ein gefühlsloser Macho.

Fühlst du dich von deinem Vater vernachlässigt und nicht genügen wertgeschätzt, vernachlässigst du im Allgemeinen auch dich selbst. Deinen Körper, deinen Geist und deine Seele.

Kritisierst du deinen Vater für sein Verhalten, brauchst du dich nicht wundern, wenn du dich selbst ständig mit Selbstkritik heruntermachst.2)Artikel: Warum wir uns oft wie unsere Eltern verhalten, obwohl wir das nie tun wollten

Unser Vater ist unser ganz persönlicher Filmstar. Er kann ein Bösewicht sein oder die Welt als Held retten. Aber er spielt niemals nur eine Nebenrolle.

Und das hat einen sehr einfachen Grund: Im Alter von 2 Jahren passiert etwas sehr wichtiges in jeder Psychologie eines jungen Mannes.

Immer mehr bemerken wir, dass es zwei Geschlechter gibt. Weiblich und männlich.

Immer mehr dämmert es uns, dass wir nicht sind, wie die Mama.

Und schließlich erkennen wir: »Ich bin so wie Papa.« 3)Buch: Die Kraft der männlichen Sexualität: Lebensbilder für Männer

Was ich hier in ein paar Zeilen abhandle, ist tatsächlich ein sehr dramatischer Prozess. Daher lohnt es sich, hier nochmal tiefer nachzuforschen.

Denn wenn wir verstehen, dass wir nicht so sind, wie die Mama, fällt für uns eine halbe Welt zusammen. Unsere Identität wird in Frage gestellt und wir suchen händeringend nach einem Ersatzbild für unsere Existenz.

Und da kommt Papa ins Spiel.

In dem Moment, wo wir verstehen »Ich bin wie Papa« saugen wir jede noch so kleine männliche Eigenschaft auf. Wir schauen ganz genau hin, was Papa macht und hören ganz genau zu, was Papa sagt.

Wenn Papa oft nicht da ist, lernen wir, dass Männer nun mal abwesend sind.

Wenn Mama nur über Papa meckert und Papa es sich gefallen lässt, lernen wir, dass Männer sich von Frauen unterjochen lassen.

Wenn Papa immer schlechte Laune hat, bedeutet das, dass Männer immer schlecht gelaunt sein müssen.

Wenn Papa seine Probleme mit Wut und körperlicher Gewalt löst, lernen wir, dass Männlichkeit etwas Brutales und Schlimmes ist.

Wir verallgemeinern alles. Ohne jegliche Wertung.

Und so werden unsere Väter die Filmstars unseres gesamten Lebens. Sie prägen unsere Gedanken und inneren Bilder von allem, was mit Männlichkeit und Mann sein zu tun hat.

Haben wir ein gutes Bild unseres Vaters, haben wir einen guten Bezug zu unserer Männlichkeit.

Haben wir ein schlechtes Bild unseres Vaters, haben wir einen schlechten Bezug zu unserer Männlichkeit.

Davon gibt es Ausnahmen! Natürlich. Sicherlich.

Und ich habe persönlich noch keine einzige dieser Ausnahmen kennenlernen dürfen.

Jedes Mal, wenn ich einen Mann treffe, der nicht voll in seiner Männlichkeit steht, hat er ebenfalls ein schlechtes Bild von seinem Vater.

Jedes Mal, wenn ich einen Mann traf, der voll in seiner Männlichkeit war, hatte er nicht immer den besten Vater. Manchmal hatte er sogar ein richtiges Arschloch als Vater. Aber durch das Verzeihen und Vergeben haben diese Männer ihre Männlichkeit geheilt.

Es mag paradox klingen. Unlogisch. Dumm.

Aber es funktioniert jedes Mal!

Wenn du Probleme mit Frauen, deiner Disziplin, deiner Wut oder in deiner Sexualität hast, arbeite dein inneres Bild von deinem Vater auf.

Nutze dafür die vielen Tipps und Techniken aus diesem Artikel. Denke dabei daran, zuerst in deine Wut zu gehen, bevor du der Vergebung einen Raum eröffnest.

Anmerkungen   [ + ]

1.Buch: Anleitung zum männlich sein
2.Artikel: Warum wir uns oft wie unsere Eltern verhalten, obwohl wir das nie tun wollten
3.Buch: Die Kraft der männlichen Sexualität: Lebensbilder für Männer

2 Kommentar

  1. Hallo Sven, durch die Internetrecherche zum Thema Pornosucht, bin ich zunächst über youtube auf Martin’s Beitrag zum Thema und dann auf diesen Blog gestoßen. Mir ging es nicht nur darum diese “Krankheit” zu verstehen und zu erfahren, wie ich meinen Mann unterstützen kann sie zu besiegen, sondern ich wollte auch tiefer gehen und eventuelle Ursprünge erforschen. Das Thema Vaterbild spielt m.E. eine entscheidende Rolle und dein Artikel bestätigt mich darin nur. Was mir ein wenig fehlt ist der Kontrast zum Vater, nämlich die Mutter. Ich war schon auf anderen Seiten unterwegs, u.a. von diversen Psychologen und Therapeuten, die die Rolle der Mutter im Leben eines Mannes erklärt, insbesondere dann, wenn sich die Eltern früh getrennt haben und der Junge bei der Mutter aufgewachsen ist. Ich habe verstanden, dass nicht nur der Vater, sondern auch die (viel zu enge) Bindung zur Mutter das spätere Verhältnis und den Umgang zu Frauen negativ beeinflussen kann. Unabhängig davon, welche Fehler man als Vater machen kann, welche Ideale man falsch oder missverständlich an seinen Sohn weitergibt, spielt doch die Mutter offensichtlich eine genauso entscheidende (oft schlechte negativ beeinflussende) Rolle für die Zukunft eines Mannes. Ich weiß nicht, ob du diesen Punkt nochmal aufnehmen möchtest, ich persönlich fand es nur hochinteressant und wollte das an dieser Stelle einfach loswerden.
    In diesem Sinne auch ein großes Lob an euch, wenngleich ich bisher nur 2 Artikel und 2 Videos gesehen habe. Mir hilft diese Seite gerade sehr weiter, weil wir (wie schon erwähnt) gerade damit anfangen sowohl alleine als auch mit Hilfe von Psychologen das Problem Pornosucht meines Mannes anzugehen und das für mich als Frau alles andere als einfach ist. Als absolut offener Mensch bin ich froh hier auf absolut offene tabulose Männer zu treffen, die sich solchen und anderen sensiblen Themen Stellen. Ihr gebt mir Hoffnung! Viele Grüße aus dem hohen Norden, Julia

    • Hey Julia,

      dankeschön für deine Rückmeldung zu dem Thema. Ja, der Konflikt/Beziehung mit der Mutter ist ebenso wichtig, wie die zum Vater. Dazu schreiben wir noch ausführlicher in unserem Newsletter.
      Danke für´s Erinnern, denn dann werden wir auch einen solchen Artikel verfassen!
      Ansonsten wünschen wir dir und deinem Ehemann alles gute beim Überwinden der aktuellen Hindernisse. Finde ich super, wie offen und ehrlich du das Thema angehst! High Five und Toi-toi-toi!

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